Die B.R.A.H.M.S AG aus
Hennigsdorf bei Berlin ist ein Diagnostik-Hersteller.
Aktuell ist das Unternehmen damit befasst, die Gebrauchsanweisung
(engl. instruction for use – IFU) für seine Assays auf XML
umzustellen.
Kern dieses Prozesses ist die Einführung einer XML-Anwendung von DOSCO
mit einer semantisch konzipierten DTD. Die Anwendung unterstützt dadurch weitgehend
die Einhaltung der europäischen IVD-Richtlinie.
Sie stellt u.a. sicher, dass Pflichtbestandteile in jeder Gebrauchanweisung
vorhanden sind, und bietet einen Katalog genormter Symbole an.
Die Formatierung der XML-Dateien geschieht für alle Sprachen vollautomatisch.
 | Verschiedene Assays – ein Layout: Einheitlichkeit durch
XML |
So können z.B. Informationen noch im „letzten Moment“ geändert
werden.
Mit einer Autorenschulung wurde die Anwendung Ende Mai 2006 in Betrieb
genommen.
XML-Dokumente müssen nicht immer in einer einzigen Datei gespeichert
sein. Ein Masterdokument kann auch aus mehreren Segmenten zusammengesetzt
sein. Dies wird z.B. zur Wiederverwendung eingesetzt.
Unter Wiederverwendung versteht man die Verwendung eines Inhalts in
mehreren (Master-)Dokumenten.
 | Übersetzungsprozess mit wiederverwendeten Segmenten |
Diese Technik kommt auch bei B.R.A.H.M.S zum Einsatz: Früher mussten
Inhalte, die über mehrere Dokumente hinweg identisch waren, auch mehrfach
gepflegt werden. Heute sind solche Inhalte eigene Segmente
und werden nur noch an einer einzigen Stelle gepflegt und übersetzt.
Bei B.R.A.H.M.S: Mit dem Wechsel der Dokumentsprache eines Master-Dokument
werden alle wiederverwendeten Teile automatisch in die richtige Sprache umgeschaltet (vgl. Schema).
| Was tun mit Varianten, die einen Reuse verhindern? | | |
- Reuse und Varianten -
 | Drei Module mit 90 % redundanten Inhalten (dunkelblau) |
Nicht immer erlauben die Inhalte eines Dokuments eine hundertprozentige
Wiederverwendung (Reuse). Manchmal ist es nur ein einziger Absatz oder ein
einziger Wert, der eine Wiederverwendung unmöglich macht. Der Rest aber ist
identisch und muss mitunter mehrfach gepflegt werden.
Mögliche Auswege:
- A
-
Segmente mit redundanten Inhalten in Kauf nehmen
Nachteil: Konsistente Pflege gleicher Inhalte gefährdet
Vorteil: Keine Änderung der Arbeitsumgebung nötig
(Programmieraufwand).
- B
-
Verkleinerung der Segmente (Granulierung)
Nachteil: die Zahl der Segmente wächst, die Verwaltung
und Pflege wird problematischer, Segmente verlieren zunehmend an Kontext
- C
-
Segmente mit redundanten Anteilen zu einem zusammenfassen. Variable
Anteile parallel erfassen und später ausfiltern (s.u. Variantenfilter).
Nachteil: Herausforderung an den Autor, muss sich
bei der Pflege im ungefilterten Dokument zurechtfinden
Vorteil: vernünftige Granulierung trotz Varianten,
einmal richtig eingestellte Filteroptionen sichern automatisch korrekte Dokumente
Im Fall von B.R.A.H.M.S fiel die Wahl auf Lösung C, einen Variantenfilter.
Durch entsprechende Festlegung von Gültigkeiten ist es möglich, jeden Absatz
und jede Zeichenkette in einem Dokument zu steuern: Soll der Inhalt in einem
bestimmten Kontext publiziert werden oder nicht?
Seit Juli 2006 ist ein solcher Variantenfilter bei B.R.A.H.M.S in
Betrieb und erhöht dadurch entscheidend den Anteil wiederverwendbarer Segmente
in den Gebrauchsanweisungen.
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 - Vortrag Redundanzen und Änderungsaufwände
im Griff – XML-basierte Packungsbeilagen bei der B.R.A.H.M.S AG,
tekom 2006, Wiesbaden.
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