Wiederverwendbare Container. Kosten senken mit XML | |
- Art
- Beitrag (Abstract)
- Ort
- Produkt Global 2/2006, S. 36–37
- Form
- Zeitschriftenartikel
- Autor(en)
-
Robert Erfle, DOSCO GmbH, Heidelberg
Technische Dokumentationen, die langfristig gepflegt und in viele
Sprachen übersetzt werden, sind ein erheblicher Kostenfaktor. Einsparungen
lassen sich vor allem durch Standardisierung und Automatisierung erzielen.
In Verbindung mit der Einführung von XML eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten
 | Durch die Trennung von Inhalt/Struktur und Darstellungsinformation
lässt sich dasselbe XML-Dokument unterschiedlich formatieren. |
Technische Geräte, ob Konsum- oder Investitionsgüter, werden immer
komplexer und bieten immer mehr Funktionen. Ihre Kenntnis und Nutzung setzt
präzise und leicht verständliche Begleitunterlagen voraus. Das gilt auch für
die globale Verbreitung der Produkte und z.B. für Servicemitarbeiter vor Ort.
Anforderungen wie immer kürzere Aktualisierungszyklen oder neue rechtliche
Vorgaben setzen Dokumentationsabteilungen zusätzlich unter Druck.
Die produktbegleitende interne und externe Dokumentation ist folglich
von großer Bedeutung und oft mit erheblichen Kosten verbunden. Dennoch wird
sie in vielen Fällen noch weitgehend manuell hergestellt – bezogen auf eine
ganz bestimmte Ausgabeform (meist PDF- bzw. Papierdokument) und unter Verwendung
proprietärer Formate und Werkzeuge. Etwas überspitzt könnte man sagen: nach
vorindustriellen Methoden und Prinzipien.
| Industrielle Methoden in der Doku-Abteilung | |
Wie die Anforderungen erfüllt werden können, zeigt ein Blick auf die
industrielle Fertigung. Dort heißen die Stichworte Normierung, Modularisierung
und Automatisierung: Materialien, Bauteile und Verfahren werden genormt, die
Modularisierung erlaubt die Wiederverwendung, die Automatisierung sorgt für
gleich bleibende Qualität, Schnelligkeit und Kostensenkungen.
 | Typischer Aufbau einer XML-Anwendung |
Auf die produktbegleitende Dokumentation, die selbst wiederum ein
Produkt ist, sind die genannten Methoden ebenfalls anwendbar. Voraussetzungen
dafür sind eine Änderung der Prozesse und XML (Extensible Markup Language)
als Dokumentformat
 - Normierung: XML ist ein anerkannter,
internationaler Standard. Über ein Regelwerk – DTD (Document Type Definition)
oder XML Schema – werden die für einen bestimmten Typ von Dokumentation erforderlichen
strukturellen Bestandteile (Kapitel, Abschnitte, Gefahrenhinweise, Listen,
Tabellen usw.) genormt. Die Einhaltung dieser Norm lässt sich mit den Werkzeugen
für die Erstellung und Weiterverarbeitung der XML-Dokumente überprüfen und
sicherstellen.
 - Modularisierung: Bildlich gesprochen
bestehen XML-Dokumente aus Containern mit Inhalt (Text, Bilder), die durch
Schachtelung zu Containern mit immer mehr inneren Containern aufgebaut werden.
Die Möglichkeiten der Schachtelung sind wiederum in dem Regelwerk genormt.
In Verbindung mit redaktionellen Regeln lassen sich die Inhalte einer Dokumentation
vollständig in Container einer bestimmten Granularität zerlegen. Analog zur
Transportbranche erlaubt dies eine äußerst flexible und effiziente Zusammenstellung
und Lieferung von Inhalten. Die Container eines XML-Dokuments besitzen keine
Darstellungsinformation (Schriftart, Schriftgröße oder Abstände). Diese kommt
erst bei der Weiterverarbeitung (Formatierung) zum eigentlichen Dokumentationsprodukt
(PDF-, HTML-Dokument usw.) hinzu. Dieselben Container lassen sich also wiederverwenden,
auch wenn die Endprodukte unterschiedlich aussehen sollen.
 - Automatisierung: Die Weiterverarbeitung
der XML-Dokumente zum fertigen Dokumentationsprodukt kann vollständig automatisiert
werden, da ihre Bestandteile und ihr Aufbau genormt sind. Dabei bleibt der
strukturelle Aufbau erhalten, so dass auch alle fremdsprachigen Dokumente
automatisch weiterverarbeitet werden können.
Durch die Einführung industrieller Methoden auf Basis von XML ergeben
sich vielfältige Vorteile bei der Erstellung, Pflege und Publikation produktbegleiten-der
Dokumentation.
| Änderungen nur noch zentral | |
Da die Darstellungsinformation erst bei der (automatischen) Aufbereitung
zum Dokumentationsprodukt hinzugefügt wird, ist die Darstellung einheitlich.
Autoren und Übersetzer verbringen keine Zeit mehr mit Layoutarbeiten. Die
Bestandteile der XML-Dokumente lassen sich wiederverwenden, neu zusammenstellen
und zu den unterschiedlichsten „Endprodukten“ (PDF, CD, Online)
aufbereiten. Änderungen an der gewünschten Darstellung berühren nur die zentrale
Darstellungsdefinition, nicht jedes einzelne Dokument.
Zur Senkung und Kontrolle von Übersetzungskosten sind Translation-Memory-Systeme
heute unverzichtbar. XML-Dokumente eignen sich besonders für die Übersetzung
mit solchen Systemen. Da die Darstellungsinformation fehlt, kann sie beim
Übersetzen nicht verloren gehen oder verändert werden. Die XML-Markierungen
(Containergrenzen) werden geschützt, so dass das übersetzte Dokument strukturgleich
zum Ausgangsdokument ist.
Da XML ein internationaler Standard ist, sind die Dokumente unabhängig
von Herstellern und Produkten einsetzbar. Sie sind Unicode-basiert und können
deshalb ohne spezielle Vorkehrungen auch Inhalte von Sprachen wie Chinesisch,
Japanisch oder Arabisch repräsentieren. Der normierte, komponentenweise Aufbau
erleichtert die Verwaltung in Content-Management-Systemen. In Verbindung mit
solchen Systemen kann die Pflege, Übersetzung und Freigabe auch auf Komponentenebene
erfolgen. Dies beschränkt die Überarbeitung auf die wirklich betroffenen Teile.
Notwendige Arbeiten lassen sich parallel durchführen, die Datenhaltung ist
weitgehend redundanzfrei.
Die Komponenten bzw. Container (Kapitel, Abschnitte, Absätze usw.)
lassen sich mit Metadaten versehen, die etwas über die Verwendung oder Bestimmung
der jeweiligen Komponente aussagen. Sie geben etwa Auskunft darüber, für welche
Baugruppe einer Maschine, für welche Funktion eines Geräts oder für welche
Lesergruppe die Komponente gedacht ist. Diese Metadaten lassen sich produktspezifisch
auswerten, so dass sehr zielgerichtete Dokumentationen entstehen. Auf diese
Weise produziert etwa Volkswagen für das Phaeton-Modell Bedienungsanleitungen,
die ausschließlich die Ausstattungen beschreiben, die der jeweilige Kunde
in seinem Fahrzeug tatsächlich hat.
| Starthilfen für Umsteiger | |
Ein Umstieg auf XML ist dann sinnvoll, wenn die Informationsmenge
eine gewisse Größe übersteigt, regelmäßig aktualisiert wird und die genannten
Vorteile für die Anwendung von Bedeutung sind. Kriterien sind z.B. die Anzahl
der zu bedienenden Sprachen, das Bedürfnis nach einer einheitlichen Darstellung
oder die Frage, ob neben der PDF- bzw. Druckausgabe auch etwa eine HTML-Ausgabe
erstellt werden soll. Ist die Dokumentation so langlebig wie etwa in der Luftfahrtindustrie,
dann spricht viel für XML aufgrund seiner Hersteller- und Werkzeugunabhängigkeit.
 | Dokument in einem XML-Editor |
Die Einführung ist mit einigen Kosten verbunden. Sie nimmt eine gewisse
Zeit in Anspruch und bedarf entsprechender Expertise. Basierend auf einer
Dokumentanalyse wird das Regelwerk entwickelt. Geeignete Produkte (z.B. XML-Editor,
Formatierer) werden ausgewählt und an das Regelwerk angepasst. In einer Schulung
lernen die Autoren die neue Technik und die neuen Werkzeuge kennen. Abhängig
davon, wie konsistent Formatvorlagen in der bisherigen Dokumentation eingesetzt
wurden, kann ihre Übernahme nach XML mehr oder weniger automatisiert erfolgen.
Das Ergebnis ist eine maßgeschneiderte Lösung.
Alternativ dazu gibt es mehr oder weniger konfektionierte Lösungen,
die modifiziert und ergänzt werden können. Sie sind öffentlich zugänglich
(Open Source) oder werden von Herstellern- bzw. Dienstleistern angeboten.
Eine solche Lösung „von der Stange“ verlangt jedoch immer eine gewisse Kompromissbereitschaft.
Die Formalisierung der Methoden bei der Erstellung, Verwaltung und
Publikation produktbegleitender Dokumentationen auf Basis des regelbasierten
Formats XML birgt erhebliches Rationalisierungspotenzial mit dauerhaften Einsparungen.
Dadurch sind die Einführungskosten bald amortisiert.
| XML-Familie | | Der W3C-Standard (World Wide Web Consortium) XML ist 1998 aus dem ISO-Standard
SGML (Standard Generalized Markup Language) hervorgegangen. Er folgt der gleichen
Philosophie, besitzt aber einen geringeren Umfang und einige Vereinfachungen.
Die wohl bekannteste Anwendung ist HTML. XML ist die Grundlage weiterer Standards
wie z.B. XSLT (Exstensible Stylesheet Language Transformation) für Transformationsanweisungen
oder XSL-FO (Exstensible Stylesheet Language – Formating Objects) für Formatierungsinformationen.
Zentrale Idee dabei ist immer die system- und herstellerunabhängige Spezifikation
von Aufgabenstellungen, die dann von allen standardkonformen Produkten bearbeitet
werden können. Zentrale Informationsquelle ist die Homepage des W3C (www.w3c.org). |
| KOMPAKT | Wirtschaftlichkeit Durch die Einführung
industrieller Methoden (Normierung, Modularisierung, Automatisierung) auf
Basis von XML lassen sich im Bereich der Technischen Kommunikation enorme
Einsparungspotenziale erschließen. | Technik Die für eine technische Dokumentation
erforderlichen strukturellen Bestandteile (Kapitel, Abschnitte, Gefahrenhinweise,
Tabellen usw.) werden auf Basis von XML und anhand eines Regelwerks – DTD
(Document Type Definition) oder XML Schema – genormt. | Workflow Die Bestandteile der XML-Dokumente
lassen sich wiederverwenden, neu zusammenstellen und zu unterschiedlichsten
„Endprodukten“ (PDF, CD, Internet usw.) aufbereiten. |
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