Terminologiemanagement und Maschinelles Lektorat im
Vertrieb-Kundendienst in der Volkswagen AG | |
- Terminologie und Lektorat bei VW -
- Art
- Vortrag (Abstract)
- Ort
- tekom-Jahrestagung, Herbst 2005, Wiesbaden
- Form
- Beitrag im Tagungsband
- Autor(en)
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Ursula Reuter, IAI, Saarbrücken
Helmut Hertel, Volkswagen AG, Wolfsburg
Vor drei Jahren wurde im Vertrieb-Kundendienst (VK) der Volkswagen
AG das Projekt„Terminologiemanagement im Vertrieb-Kundendienst“ ins Leben
gerufen. Basierend auf der Einführung einer multilingualen Termdatenbank,
eines Maschinellen Lektorats und eines Maschinellen Übersetzungssystems wurden
folgende Ziele definiert:
 - Harmonisierung und Standardisierung von Terminologie der Volkswagen
und Audi AG
 - Erstellung eindeutiger, konsistenter und verständlicher Texte
 - Erzielung einer Qualitätsverbesserung sowie einer höheren Anwender-
und Kundenfreundlichkeit bei Publikationen der Werkstatt- und Kundenliteratur
 - Beschleunigung der Texterstellungsprozesse
 - Schaffung von Rechtssicherheit
Im Rahmen eines weltweit agierenden Unternehmens wie der Volkswagen
AG und der sich hieraus ergebenen notwendigen Distribution und logistischen
Abläufe im Wissenstransfer, führt eine verbesserte Qualität, bedingt durch
eine standardisierte Terminologie und ein maschinelles Lektorat, zu einer
verbesserten Wirtschaftlichkeit und demzufolge einem erhöhten Wertschöpfungsprozess.
 | Projekt Terminologiemanagement |
Alle drei sprachtechnologisch-basierten Komponenten stehen in unmittelbarer
Wechselbeziehung zueinander, woraus sich eine Effizienzsteigerung und eine
Kostensenkung sowie die Reduzierung von Missverständnissen und Fehlinterpretationen
in den Dokumentationen ergeben sollen.
In folgendem Beitrag wird hauptsächlich auf die Terminologiearbeit
und das Maschinelle Lektorat eingegangen.
Die Einführung der Termdatenbank für den Vertrieb-Kundendienst der
Volkswagen und Audi AG ist ein wichtiger Ausgangspunkt zur Erreichung der
genannten Ziele. Die Datenbank soll nicht nur als Nachschlagewerk für die
technischen Redakteure und Übersetzer dienen und somit einen konsistenten
und einheitlichen Terminologiegebrauch gewähren. Gleichzeitig stellt sie die
Basis der Terminologiebefüllung im Maschinellen Übersetzungssystem und im
Maschinellen Lektorat dar. Denn dieses wiederum kann sein vollständiges Potenzial
nur entfalten, wenn eine zuvor standardisierte und definierte Terminologie
hinterlegt wurde. Die begriffs- und zielgruppenorientierte Termdatenbank
im MultiTerm iX-Format beinhaltet eine Kundendienst spezifische Datenbankdefinition,
die es ermöglicht, Begriffe eindeutig ihrem Sachgebiet, ihrer Herkunft und
ihrer Verwendung im Vertrieb-Kundendienst zuzuordnen. Ausgegangen wird dabei
immer von dem Konzept der deutschen Sprache. Dieser Aspekt ist insofern von
Bedeutung, als dass es angedacht ist, die Datenbank multilingual in den weiteren
Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Schwedisch, Spanisch und Tschechisch
einzusetzen. Innerhalb von zwei Jahren floss ein Terminologiebestand von
ca. 12.000 standardisierten Benennungen in die VK-Termdatenbank ein. Die Benennungen
stammen aus den Werkstatt- und Bedienungsanleitungen der verschiedenen Fahrzeugmodelle
bei Volkswagen und Audi. Sachgebietsweise wurde dieser Fundus mithilfe von
Termextraktion zusammengestellt, aus grammatischen und linguistischen Aspekten
bereinigt und im weiteren Schritt in enger Zusammenarbeit mit den technischen
Redakteuren definiert und standardisiert.
Eine weitere Komponente des Projekts „Terminologiemanagement“ stellt
das Maschinelle Lektorat dar.
Es wurde vom IAI, dem Institut für Angewandte Informationsforschung, entwickelt
und kommt nunmehr im Bereich Technische Werkstattinformation des Vertrieb-Kundendienstes
zum Einsatz.
prüft
die Texte der technischen Redakteure auf sprachliche Korrektheit, auf die
korrekte Verwendung der standardisierten Terminologie sowie auf Verständlichkeit
und Übersetzbarkeit. Weiterhin werden so genannte Corporate-Style-Vorgaben
im sprachlichen Bereich überprüft. Der Redakteur wird in Verbindung mit angezeigten
Erklärungen und Vorschlägen zur Berichtigung, auch anhand von Beispielen,
auf mögliche Fehler im Dokument hingewiesen.
Die Überprüfung der sprachlichen Korrektheit umfasst eine Rechtschreibprüfung,
die, neben der Prüfung auf normale Orthografiefehler, den Text auf mögliche
Varianten der neuen deutschen Rechtschreibung und somit auf einen konsistenten
Rechtschreibstil überprüft. Innerhalb der Grammatikprüfung wird neben der
Zusammen-Getrenntschreibung, der Groß-Kleinschreiung und Beugungsmustern auch
die Interpunktion überprüft.
Bei der Terminologieprüfung wird geprüft, ob die im Text verwendeten
Terme, unter Berücksichtung der in der Termdatenbank gespeicherten Verwendungsrestriktionen,
korrekt verwendet wurden. Nicht erlaubte Terme oder Varianten erlaubter Terme
werden gekennzeichnet und der im jeweiligen Kontext richtige Term wird angezeigt.
Wie bereits erwähnt, erbringt dieses Abgleichsverfahren mit linguistischen
Methoden nur dann die gewünschte Effizienz, wenn die zu Grunde gelegte Terminologie
vollständig und in sich konsistent und fehlerfrei ist.
Die so genannte Stilprüfung des Maschinellen Lektorats beinhaltet
Regeln, die den Text auf seine Verständlichkeit hin prüfen. Lesbarkeit, Konsistenz,
Zielgruppengerechtheit und Eindeutigkeit zählen hierbei zu den Prüfkriterien.
Viele dieser Kriterien zusammen mit einigen weiteren, übersetzungsspezifischen
Vorgaben prüfen den Text auch auf seine Übersetzbarkeit hin.
Alle vorgenannten Prüffunktionalitäten des Maschinellen Lektorats
beinhalten auch ganz spezifische, ausschließlich für die Volkswagen AG gültige
Regeln. Diese wurden in Kooperation zwischen der Volkswagen AG und dem IAI
in iterativen Zyklen abgestimmt. So wurden z.B. VW-spezifische Regeln für
die Stilprüfung, unter besonderer Berücksichtigung des Übersetzungsprozesses,
entwickelt und implementiert.
Besonders zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang auch Anpassungen
der linguistischen Module an die existierenden Dokumentstrukturen (DTDs) bei
Volkswagen. Sowohl Regeln der Rechtschreib- und Grammatikkontrolle als auch
Regeln der Stilkontrolle wurden an spezifische DTD-Gegebenheiten angepasst,
so dass an bestimmte Informationselemente bestimmte sprachliche Vorgaben geknüpft
werden können. Beispielsweise lässt sich so festlegen und überprüfen, dass
für ein Element, das einen Hinweis bezeichnet, eine bestimmte Regel (z.B.
Vermeidung von Passiv) nicht greifen soll.
| Aktuelle Arbeiten und Ausblick | |
Das aktuelle Projektteam arbeitet derzeit daran, den optimalen Einsatz
des Maschinellen Lektorats flächendeckend
aufzusetzen. In Kooperation mit dem IAI werden
derzeit in einem Testbetrieb und einer anschließenden Pilotphase weitere Anpassungen
an die spezifischen Anforderungen der Dokumentstruktur vorgenommen sowie weitere
für die Werkstattdokumentation geeignete Stilregeln definiert. Mit der geplanten
Einführung des Lektorats im Frühjahr 2006 erhofft sich das Projektteam die
endgültige Umsetzung ihrer gesteckten Ziele.
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